Heiligen-Geist-Hospital

lubeck 4087925 1920 Bild von Achim Scholtya auf pixabay

Behindertenwegweiser Lübeck

Heiligen-Geist-Hospital


Einrichtung: Denkmal, Sozialeinrichtung
Koberg 11
23552 Lübeck Website
Telefon: 0451 - 122 23 53
Fax: 0451 - 122 23 59
Träger: Stiftungsverwaltung Hansestadt Lübeck

Mit Hilfe zugänglicher EingangReservierte Parkplätze


Beschreibung:

Das Lübecker Heiligen-Geist-Hospitals ist eines der prominentesten Beispiele sozialer Fürsorge im mittelalterlichen Europa. Das Hospital für arme und kranke Bürger entstand aus einer üppigen Stiftung Lübecker Ratsherren aus dem Jahr 1227.

Am bekanntesten sind die zwei T-förmig angeordneten Kerngebäude:
Die breit gelagerte Hospitalkirche am Koberg und das dahinter angebaute, langgestreckte „Lange Haus“; sie waren bereits 1286 fertig.

Auf dem knapp ein Hektar großen Stiftungsgelände wuchs gleichzeitig und in der Folgezeit ein Gebäudekomplex heran, der noch mehr sehenswerte Gebäude umfasst:

Die zwei frühgotischen Häuser, die links neben der Kirche liegen und den Aspekt am Koberg stilvoll ergänzen; sie waren einst Getreidespeicher, Schreiberhaus und Schänke; heute dienen sie Verwaltungszwecken und haben Versammlungsräume für Senioren.

Am nördlichen Rand, zur Großen Gröpelgrube, ziehen sich die ehemaligen Wirtschaftsgebäude entlang. Hier waren Küche, Fleischerei, Speisesäle, Wohnungen und die Spitalbrauerei untergebracht. Mit dem parallel dazu liegenden Langen Haus bilden sie zwei Innenhöfe, von denen der höher gelegene noch eine Art Kreuzgang aufweist (nicht öffentlich). In diese Häuser wurde in den 1970er Jahren als Nachfolgeeinrichtung des alten Spitals ein modernes Seniorenheim eingebaut (Senioreneinrichtung (SIE) Heiligen-Geist-Hospital). Dafür musste viel historische Bausubstanz geopfert werden, aber auf diese Weise kann das Spital seinen Stiftungszweck bis heute erfüllen. Zusätzlich entstanden am Fuß des Langen Hauses, auf dem Gelände des ehemaligen Spital-Gartens, weitere, moderne Gebäude für die Senioreneinrichtung.

Das große, weiß gekalkte Gebäude zwischen der Toreinfahrt und der Einmündung des Langen Lohbergs gehört auch (wieder) zum Heiligen-Geist-Hospital. Es ist die Gertruden-Herberge (früher „Kleines Heilig-Geist“ genannt), eine ehemalige Pilgerherberge von ca. 1360 (benannt nach der Schutzheiligen der Pilger, hl. Gertrud von Nivelles). Lübeck lag auf der nördlichen Route des Jakobsweges (Via Baltica) und hier konnten bis zu 140 Pilger rasten und nächtigen. Im Obergeschoß sind heute Privatwohnungen eingebaut. Das Erdgeschoß mit dem sanierten, großen Saal und Resten gotischer Wandmalereien kann bei besonderen Anlässen besichtigt werden (ein barrierefreier Eingang liegt an der Schmalseite über den Hof).

Zur Südseite, da, wo heute der Geibelplatz und ein PKW-Parkplatz sind, lag der Spitalfriedhof. Dahinter steht das barocke Verwalterhaus (heute gewerblich vermietet) und daran angrenzend der Bürgergarten des Spitals. Er ist heutzutage ein öffentlich zugänglicher Kunstgarten, ehemals war er eine Viehweide für die Frischfleischversorgung.

Da die Wirtschaftsgebäude und das Lange Haus auf stark abschüssigem Gelände stehen, wurden sie mit Gewölben unterkellert. Zum Teil wurden die Keller zur eigenen Vorratshaltung genutzt, zum Teil vermietet. Die Gewölbe des Langen Hauses dienen derzeit gastronomischen Zwecken und Aufenthaltsräumen des Seniorenheims (nur zu Sonderveranstaltungen öffentlich zugänglich).

Hospitalkirche:

Die dreischiffige Kirche nimmt mit ihrer Front fast die gesamte Ostseite des Kobergs ein. Schon von außen lässt sich an der dreiteiligen Fassade mit je einem reich gestalteten Portal und der aufwendigen Gliederung mit Nischen, Uhr und Fenstern (z.T. farbig) die Bedeutung der Institution erkennen. Einen zentralen Turm hat sie nicht, dafür aber einen Dachreiter mit Glocken. Die vier Stifttürme weisen sie als eine Einrichtung des Rates aus.
Der Gehweg vor der Kirche ist eben und gut begehbar. Der Zugang zur Kirche liegt im mittleren Portal. Die eingeschnittene Holztür (Breite 85 cm) muss nach innen aufgedrückt werden. Der Übergang ist eine 4 cm hohe Steinschwelle. Der Boden in der Kirche hat unterschiedliche Steinbeläge, die aber nicht hinderlich sind. Hunde dürfen nicht mit hinein!
Die Kirche ist in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich: Mit nur zwei Jochen ist sie sehr kurz und es gibt keinen abgesetzten Chor. Nur am Sterngewölbe und dem eingestellten Lettner ist der Hauptchor erkennbar. Und sie ist relativ klein, eher eine Kapelle denn eine Kirche. Für die etwa 170 Hospitaliten (Bewohner des Hospitals), für die Brüder vom Orden des Heiligen Geists (Betreuer der Einwohner) und für die Angestellten war sie bis zur Säkularisation im Jahr 1806 die Hauskirche.
Unter dem Lettner ist ein kleiner Raum eingerichtet, in dem eine Aufsichtsperson Informationen gibt und Andenken verkauft.
Auch die Innenausstattung entspricht dem Reichtum des Hospitals: Die kostbaren Malereien (vom 14. bis Ende 15. Jahrhundert) an den Wänden und Gewölben, die Farbfenster, der Lettner von ca. 1300 mit 23 Brüstungsgemälden an der Sängerempore, Schnitzfiguren aus dem 14. Und 15. Jh., die spätbarocke Kanzel und die Schnitzaltäre aus dem 16. Jh. vermitteln den geschlossenen Eindruck eines sakralen Raumes aus dem Mittelalter.

Langes Haus:

An die Rückwand der Hospitalkirche ist rechtwinklig das Lange Haus angebaut. Unter dem Lettner ist rechts eine kleine, zweistufige Treppe mit unterschiedlich hohen Stufen und beidseitigen Handläufen, über die man in den großen Saal der Hospitaliten kommt. Die Zwischentüren stehen während der Besuchszeiten offen, dahinter ist noch eine kleine Metallkante. Der linke und mittlere Zugang ist normalerweise verschlossen.
Personen mit Gehhilfen brauchen hier Unterstützung.
Das Lange Haus ist in seiner Schlichtheit und Größe ein Kontrast zur Kirche:
Der 88 Meter lange Einraum mit seinem halb-offenem Dachstuhl, fehlenden Zwischenwänden und den wenigen, schlichten Wandmalereien war der Wohn- und Schlafraum der Bewohner. Für Jahrhunderte standen hier Betten in vier Reihen nebeneinander, nur durch Vorhänge voneinander getrennt. Bettlägerige Hospitaliten konnten über die offenen Türen zur vorgelagerten Kirche an den Gottesdiensten noch akustisch teilnehmen. Erst 1820 wurden Reihen mit kleinen Holzkammern (Kabäuschen) eingebaut, die etwas Privatsphäre boten. Sie wurden bis 1970 genutzt, danach zogen die Bewohner in das neu erbaute Seniorenheim um.
Seitlich wurden im 16. Jh. zwei Anbauten angefügt: Zwischen Langem Haus und der Kirche ein kleiner Anbau mit Archiv (im Erdgeschoss) und einer Ofenstube darüber (Eingang vom Langen Haus) und weiter hinten ein Seitenhaus mit Herrenzimmer und Männerstube. Besucher können nur den vorderen Teil des Langen Hauses (bis zum Gitter) und einige Kabäuschen besichtigen.

Die Hospitalanlage hat kein eigenes WC. Die nächste behindertengerechte Toilette ist das WC Koberg (Koberg 3) in wenigen Metern Entfernung vom Hospital.

Öffnungszeiten:
Sommerzeit: Dienstag - Sonntag:
 
10:00 Uhr - 17:00 Uhr
Winterzeit: Dienstag - Sonntag:     10:00 Uhr - 16:00 Uhr

Der Eintritt ist während der normalen Öffnungszeiten frei.

Weihnachtsmarkt:

Zu Beginn der Adventszeit wird in der Spitalkirche, dem Langen Haus und den Gewölben ein beliebter Weihnachtsmarkt abgehalten. Nur zu diesem Anlass sind die Toiletten im Gewölbe und im angrenzenden Seniorenheim für Besucher geöffnet.
Wegen der drangvollen Enge und der unüberwindlichen Treppen ist der Weihnachtsmarkt für stark gehbehinderte Personen und für Rollstuhlfahrer nicht geeignet!

Erreichbarkeit:

Der nächste Behindertenparkplatz liegt an der Großen Gröpelgrube 2, direkt an der Nordseite des Heiligen-Geist-Hospitals.

Die nächsten Bushaltestellen sind Koberg (Ausstieg in der Königstraße, Entfernung zum Spital ca. 50 Meter) und Breite Straße (Fahrtrichtung Burgfeld und Richtung ZOB) Von den Ausstiegen in der Breiten Straße beträgt die Entfernung zum Spital ca. 160 m.

(Letzte Aktualisierung: November 2019)


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Service:  Redaktion2
Kategorien: Altstadt | Soziale Einrichtungen | Denkmäler | Weihnachtsmärkte
Kontakt: Behindertenwegweiser Lübeck   Telefon: 0451 384448-821
Aufnahme: 06.11.2019        Letzte Bearbeitung: 13.11.2019
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